Sonntagsmatinee am 22. Oktober

SONNTAGSMATINEE

So, 22. Oktober 2017, 11.00 Uhr
Großer Saal der Stiftung Mozarteum

LUDWIG VAN BEETHOVEN Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur, op. 73
FRANZ ZEILNER Aus der Ferne (Mörike)
RICHARD STRAUSS Vier letzte Lieder

Orchester der Salzburger Kulturvereinigung
Damen des Mozartchores (Stefan Mohr)
Virgil Hartinger, Tenor
Gerhild Zeilner, Sopran
Gianfranco Sannicandro, Klavier
Helmut Zeilner, Dirigent

INFOS & TICKETS
Kartenbüro Trakl-Haus
+43 (0)662 845346
tickets@kulturvereinigung.com
www.kulturvereinigung.com

Gerhild Zeilner, Helmut Zeilner und Gianfranco Sannicandro,
Foto: Moser Albert

Gottfried Franz Kasparek zu „Aus der Ferne“ von Franz Zeilner

„Ich will mich ganz der Musik widmen, […] , die Musiktheorie studieren. Denk Dir mich als Hagestolz, einen Krug Wein neben dem Klavier, bis in die Nacht hinein spielen und Seelenstimmungen abschildern, für die Worte nie einen Ausdruck bedeuten können – wird das Können so weit kommen als die Absicht weist, oder wird es unterwegs schwach und arm ins bürgerliche Gewimmel untertauchen […]?“ So schrieb der Wiener Arzt Franz Zeilner im Mai 1928 einem Freund. Helmut Zeilner, sein Enkel, ist heute im Besitz seiner erhaltenen Werke. Es gibt rund 70 Lieder, sechs Streichquartette, zwei Klaviertrios, zwei Violin- und Cellosonaten, Klavierstücke und ein einziges erhaltenes größer besetztes Werk, „Aus der Ferne“ nach Mörike, wohl 1936 in Salzburg, wohin er berufliche Verbindungen hatte, uraufgeführt. Zeilner, der in Rappottenstein im Waldviertel geborene Sohn eines Dorfarztes, hatte mit seinen Stücken in seinem Leben mitunter schöne Erfolge in halbprivaten Musikkreisen. In den letzten Kriegstagen im April 1945 geriet der vierfache Familienvater in Stammersdorf zwischen die Fronten und wurde von einer Kugel aus einem russischen Maschinengewehr getötet.

„Mein Großvater begann im spätromantischen Stil“, so der Enkel, „dann gab es eine Phase der freien Tonalität in seinem Schaffen, wohl inspiriert von der Schönberg-Schule, ehe er zu einer eigenen, wiederum romantisch geprägten Tonalität zurückkehrte.“ Berührende Briefe erzählen von einer suchenden Künstlerseele: „Der Frauenchor, zu dem mir Deine Frau einmal den Text brachte, ist fertig; vielleicht hat er Schönheiten, doch hat bei ihm der Kampf mit der Materie zu vielfach konventionellen Lösungen geführt“, so schrieb Franz Zeilner 1935. „Und ich kann´s nicht ändern! Ich müsste denn etwas ganz Neues beginnen.“ Helmut Zeilner hat nach dem mit Bleistift geschriebenen Chorstück eine Partitur und Stimmen drucken lassen. Ist dies „fortschrittliche“ Musik? Lassen wir den Komponisten antworten: „[…] fort ist eigentlich etwas anderes als ‚vor’ – hier hat uns die Sprache einen Streich gespielt, der den Gedankenfehler des ‚Fortschrittes’ fein ironisiert“.

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